ReSource-Projekt vergleicht unterschiedliche Übungstechniken

Das ReSource-Projekt des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig ist die weltweit größte Studie zur Meditation. Es zeigt die unterschiedlichen Wirkungen verschiedener Übungstechniken.

An der Studie, für die eigens neue Forschungsinstrumente und mentale Übungstechniken entwickelt wurden, nahmen 241 MeditationsanfängerInnen teil. Von April 2013 bis Mai 2014 praktizierten sie täglich mentale Übungen, nahmen an wöchentlichen Gruppentreffen teil, besuchten drei Wochenend-Retreats, gingen vier und zehn Monate später zu Nachuntersuchungen. Pro StudienteilnehmerIn wurden rund 90 verschiedene Maße zur Erfassung von Genetik, Hormonen, Stress, Gehirn, kognitiven und emotionalen Fähigkeiten, Persönlichkeit und Verhalten gemessen. Daneben gab es zwei Kontrollgruppen von insgesamt 90 Personen, die nicht meditiert haben.

Die Studie vergleicht drei Meditationsmodule, bestehend aus je zwei neuen Techniken. Diese dreimonatigen Module wurden von den TeilnehmerInnen in unterschiedlicher Reihenfolge absolviert, so dass die Wirkung der verschiedenen Techniken miteinander verglichen werden konnte.

  • Im Modul "Präsenz" sollten die TeilnehmerInnen durch klassische Achtsamkeitsübungen zur Ruhe kommen und sich ganz auf den Augenblick konzentrieren. Zur Verbesserung von Aufmerksamkeit und Körperwahrnehmung wurden die Techniken Atemmeditation und Bodyscan geübt.
  • Im Modul "Perspektive" sollten die TeilnehmerInnen lernen, ihr eigenes Denken und Handeln zu beobachten und die Perspektiven anderer Menschen nachzuvollziehen. Für diese Schulung der sozio-kognitiven Fähigkeiten wurden die Techniken Gedankenmeditation und Perspektiv-Dyade geübt.
  • Im Modul "Affekt" üben die TeilnehmerInnen, sich selbst und anderen wohlwollend zu begegnen und auch mit schwierigen Emotionen umzugehen. Zur Stärkung von Mitgefühl, Dankbarkeit und Fürsorge wurden die Techniken Herzmeditation und Affekt-Dyade gewählt.

Für das Üben zu Hause bekamen die TeilnehmerInnen ein sogenanntes "Medifon", ein Smartphon, mit dem sie sich von MeditationslehrerInnen eingesprochene Anleitungen anhören konnten.

Die Studie zeigt, dass alle drei Übungsmodule die Körperwahrnehmung steigern. Daneben wurde untersucht, ob sich durch Meditation neben Achtsamkeit auch Mitgefühl und Perspektivübernahme schulen lassen. Für diese beiden Basisfähigkeiten sozialer Intelligenz wurden unterschiedliche Übungstechniken entwickelt. "Unser Mitgefühl bezieht sich stark auf Menschen, die uns nahestehen, das hat sich evolutionär so entwickelt.", erklärt Neurowissenschaftlerin Tania Singer, Leiterin des ReSource-Projekts, in einem Interview mit dem GEO-Magazin. "In unserer globalisierten Welt müssen wir jedoch auch lernen, diejenigen zu akzeptieren und zu verstehen, die uns fremd sind, die andere religiöse oder politische Überzeugungen haben." Bei der für den Perspektivenwechsel eigens entwickelten Übungstechnik "Perspektiv-Dyade", einer Partnermeditation, machen sich die TeilnehmerInnen bewusst, dass sie verschiedene Persönlichkeitsanteile in sich tragen. Eine Partnerin oder ein Partner beschreibt ein Alltagserlebnis aus einer dieser Rollen heraus, die oder der andere vollzieht die Erzählperspektive unvoreingenommen nach, dann tauschen beide. Die Studie zeigt, dass das Modul "Perspektive" auch die Fähigkeit stärkt, sich in andere hineinzudenken, das Modul "Affekt" mit anderen mitzufühlen.

Zudem untersuchte das ReSource-Projekt die Wirkung der Übungstechniken bei sozialen Stress. "Unter sozialem Stress leiden in unserer modernen Gesellschaft viele am stärksten: Wir fürchten heute kaum noch Hunger und Kälte, sondern vor allem, von anderen kritisiert zu werden und ihren Anforderungen nicht zu genügen.", erklärt Tania Singer. Zwar senken alle drei Module das Empfinden von sozialem Stress, doch die hormonelle Stressreaktion wird nur durch die Module "Perspektive" und "Affekt" verringert. Tania Singer führt das auf die "Dyaden" genannten Partnermeditationen in diesen Modulen zurück, die die soziale Verbundenheit fördern. "Durch die Dyaden fühlen sich die Teilnehmer im Laufe der Zeit generell anderen Menschen verbundener. Das ist spannend, weil wir aus der Forschung wissen, dass Menschen, die sich einsam fühlen, eher krank werden, eine verringerte Lebenserwartung haben. Für sie könnte es therapeutisch nützlich sein, mit dieser Form der Meditation die Erfahrung von sozialer Verbundenheit zu trainieren."

Quelle: GEO-Magazin 02/2018


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