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Hilfsmittel – nur für unflexible YogiNis?

Yogablöcke für die eigene Yogapraxis
Bild: Pexels

Die Yogamatte, bequeme Kleidung und ansonsten nur mein Körper und ich – mehr braucht es nicht. So denken viele YogiNis und weisen die Nutzung von Hilfsmitteln jeglicher Art weit von sich. Nicht selten sind sie sogar irritiert bis beleidigt, wenn Props für die eigene Yogapraxis angeboten werden

Dabei sind die Hilfsmittel inzwischen ein erprobtes Tool, um die eigene Yogapraxis zu unterstützen, weiterzuentwickeln und manche Wirkung überhaupt erst spüren zu können. Die Props sind somit kein Ersatz für Können, sondern intelligente Werkzeuge für eine bewusste und sichere Yogapraxis.
Gerade in der Yoga Ausbildung lohnt es sich, den sinnvollen Umgang mit Hilfsmitteln früh zu verstehen – für die eigene Praxis ebenso wie für den späteren Unterricht.
 

Warum Props ganz generell sinnvoll sind

Ziel einer jeglichen Yogapraxis sollte nicht die äußere Form einer Haltung sein, sondern ihre Wirkung. Wenn wir es uns erlauben, den eigenen Ehrgeiz mal zur Seite zu stellen und ganz ins Spüren zu kommen, werden wir erstaunt sein.

Hilfsmittel helfen dabei:

  • Bewegungen anatomisch sinnvoll auszuführen
  • Überlastung und Verletzungen zu vermeiden
  • länger in Haltungen zu verweilen, ohne Spannung aufzubauen
  • Grenzen des eigenen Körpers zu respektieren
  • feiner zu spüren, statt ein Asana „durchzudrücken“

Richtig eingesetzt eröffnen Props neue Räume – körperlich wie geistig.

Yogablöcke in der Vorbeuge Uttanasana
Bild: Pexels

Sthira Sukha – stabil und leicht mit Blöcken

In den Standpositionen werden Blöcke oft eingesetzt, um den Abstand zwischen Händen und Boden zu verringern. In Trikonasana, Ardha Chandrasana oder Uttanasana wird die jeweilige Wirkung mit der Verwendung von Blöcken oftmals erst möglich. Denn wo man nicht mit Gleichgewicht oder nicht ausreichender Dehnfähigkeit kämpfen muss, kann Yoga zur Wohltat werden.

Auch zur Erhöhung der Sitzposition eignen sich die Yoga-Blöcke. Mit ihnen kann die tiefe Vorbeuge rückenfreundlicher gestaltet werden, da sie mehr Länge in der Wirbelsäule zulassen.

Yogagurte: Verbindung statt Zwang

Gurte helfen, Reichweite zu überbrücken, ohne die Haltung zu erzwingen. Sie sind besonders hilfreich für die Dehnung der Beinrückseiten in der Rückenlage, oder für die Öffnung der Schulter in Gomukhasana. In der jeweiligen Haltung sorgen wir für eine bewusste und achtsame Dehnung und vermeiden die Überforderung. Denn überbeanspruchte Sehnen und Bänder können nach Jahren der übermäßigen Dehnpraxis zu instabilen Gelenken führen. In der Dehnhaltung tut man scheinbar nichts – außer spüren. Das „being-in-the-moment“ schult Geduld und Achtsamkeit.

Beispiel Paschimottanasana – Sitzende Vorbeuge mit Gurt zur Ganzkörperdehnung der Rückseite

So geht’s:

  1. Setzen Sie sich aufrecht, ggf. leicht erhöht, Beine ausgestreckt.
  2. Legen Sie den Gurt um beide Füße.
  3. Halten Sie die Enden, verlängern Sie die Wirbelsäule einatmend, Knie ggf. leicht anwinkeln.
  4. Beugen Sie sich aus der Hüfte nach vorne, ohne sich dabei nach vorne zu ziehen und im Rücken rund zu werden.
  5. Halten Sie den Brustraum offen und den Nacken entspannt.
  6. Halten Sie einige Atemzüge, so lange wie es für Sie angenehm ist.
Langsitz im Yoga
Bild: Pexels

Decken: Vielseitig und unterschätzt

Yogadecken sind echte Allrounder und oft viel flexibler einsetzbar als andere Hilfsmittel.

Typische Einsatzmöglichkeiten:

  • Unterlage für sensible Gelenke (bspw. Knie), aber auch Abpolsterung von Becken oder Kopf
  • Wärmende Decke in Savasana oder „Mantel“ in der Sitzmeditation
  • Ausgleich von Beinlängen oder Beckenstellung

Wirkung:

  • Mehr Komfort → längeres Verweilen
  • Ausgleich von Asymmetrien
  • Förderung von Erdung und Ruhe

Bolster: Loslassen lernen

Bolster sind besonders beliebt im Restorative oder Yin Yoga. Dabei lädt das dicke Polster nicht zu Passivität ein, sondern zu bewusstem Loslassen.
Typische Anwendungen finden sich bei den Vorbeugen im Sitzen oder in der Bauchlage, um die Rückenmuskulatur sanft zu dehnen. In der Rückenlage hilft der Bolster bei der Öffnung von Brustkorb und Herzraum. Insgesamt unterstützt der Bolster das längere Verweilen in ruhigen Haltungen. Das Nervensystem kann dabei tief entspannen, die muskuläre Haltearbeit lässt los. Ein Gefühl von Geborgenheit und Getragen-Sein kann entstehen.

Männeryoga Meditation
©Judith Büthe

Die Sitzposition – besser höher

Nicht wenige YogiNis haben Schwierigkeiten, über einen längeren Zeitraum im „Schneidersitz“ auf dem Boden zu sitzen. Eine achtsame Atem- und Meditationspraxis ist dann kaum möglich, wenn von Minute zu Minute der Rücken runder wird und die Knie immer lauter jammern.

Dafür sind Sitzkissen, Bänkchen oder Hocker gute Hilfsmittel. Sie erhöhen die Sitzposition, sorgen für mehr Aufrichtung in der Wirbelsäule und entlasten die Knie. Welche Höhe individuell richtig ist, kann JedeR nach und nach herausfinden, indem man das Equipment in der eigenen Yogaschule testet.

Props im Unterricht: Haltung vermitteln, nicht korrigieren

Als (angehendeR) YogalehrerIn können Sie mit gutem Beispiel voran gehen, indem Sie selbst erhöht sitzen und auch andere Hilfsmittel in Ihre Praxis mit einbeziehen.

Entscheidend ist: Props sind kein Korrekturwerkzeug im Sinne von „so ist es richtig“, sondern ein pädagogisches Mittel, um Erfahrung zu ermöglichen.

 

Fazit: Weniger Ehrgeiz, mehr Intelligenz

Hilfsmittel erinnern uns daran, dass Yoga individuell, achtsam und entwicklungsorientiert ist. Sie laden dazu ein, von äußeren Zielen abzurücken und die Qualität der Erfahrung in den Vordergrund zu stellen.

Wer Props sinnvoll einsetzt, übt nicht weniger Yoga – sondern oft tiefer.

Ein bewusster Einsatz der Hilfsmittel:

  • fördert Selbstwahrnehmung
  • reduziert Leistungsdruck
  • schafft Akzeptanz für unterschiedliche Körper
  • vermittelt Sicherheit und Professionalität
Yogablöcke und Yogagurt
©Judith Büthe